# Nr. 3 – Mister Cowboy

Sie tanzt in einem Club, inmitten von hübsch zurecht gemachten Mädchen und stylishen Jungs. Sie selbst trägt ihr Samstag-Nachmittag-Kaffeetrink-Outfit – mit Fassung. Ihre Jeans, die Turnschuhe und das olle Shirt. Auf den Spontan-Ausflug in einen Club war sie nicht vorbereitet, aber was sind schon Äußerlichkeiten, denkt sie, als sie ein Blick trifft. Ein zweiter Blick. Und ein dritter. Nein, er starrt sie an, der Typ, der sich langsam und unbemerkt in ihre Richtung getanzt hat. Sie schließt die Augen, sicher holt er gleich sein Lasso raus, zielt in ihre Richtung und fängt sie ein – mit dem Vorhaben, sie abzuschleppen. Denkt sie noch – doch nichts, nichts passiert. Sie öffnet die Augen und dieser Möchtegern-Cowboy steht wie angewurzelt vor ihr und starrt sie an.

„Hey, ich wollte dir nur sagen, ich beiße niemanden, der mich anspricht, das geht schon in Ordnung!“ hört sie sich selbst zu ihm sagen und ist wieder einmal von ihrer Spontaneität überrumpelt. Völlig perplex lässt der Cowboy Lilly einfach stehen und geht erst mal ein Bier holen. Lilly schmunzelt in sich hinein, tanzt weiter. Ob er noch mal wieder kommt oder sucht er jetzt völlig eingeschüchtert lieber das Weite? Sie hat es satt – verpasste Chancen kennt sie zur Genüge und nimmt ihr Schicksal gerne selbst in die Hand. Er kommt zurück, reicht ihr ein Bier und Lilly hält es vor ihrem Herzen.

Sie sitzen stundenlang über den Dächern der Stadt, reden, rauchen und alles um sie herum scheint einfach weiter zu rennen, irgendeinem Ziel hinterher, nur die beiden sitzen da, schauen sich an und gehen als die Sonne aufgeht, Schnitzel essen.
„Ich bin der Cowboy in der freien Wildbahn – lass mich nicht gerne mit dem Lasso einfangen“ hört Lilly ihn sagen, während er sich ein weiteres Stück Schnitzel in den Mund schiebt. Und Lilly schießt das Lied „Ich will nen Cowboy als Mann“ durch den Kopf. Sie grinst – kramt in ihrem Portemonnaie nach ihrem Geld, legt es auf den Tisch und verabschiedet sich. „Ich glaube, ich bin in meinem Leben schon zu vielen Cowboys begegnet – schade eigentlich – aber ich weiß, dass ich keine Kraft mehr habe, noch einem nachzurennen, nur weil er mit seinem Lasso immer wieder nach der großen Beute sucht!“ Dem Cowboy bleibt beinahe sein Stück Schnitzel im Hals stecken – verwirrt bleibt er zurück. Er ruft nach der Bedienung, zahlt die Rechnung und geht enttäuscht, in den Sonnenaufgang

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